Die südfranzösische Stadt Carcassonne zieht ganzjährig Scharen von Besuchern in ihren Bann. Wer ihrem Ruf folgt wird mehr finden als die für das Languedoc typische Lebenslust und Genussfreude zwischen Café, Brasserie und Marktplatz. Egal ob Sie als Pilger kommen, über den Flughafen von Carcassonne im Kartharerland einfliegen oder für Ihre Anreise ein Auto mieten: Sind Sie erst einmal angekommen werden Sie die alten Stadtmauern direkt ins Mittelalter versetzen.

Auf den Spuren der Macht – Von Römern, Rittern und Lehnsherren

Carcassonne ist heute eine lebendige Stadt mit knapp 48000 Einwohnern, mit Kinos, Cafés und einem renommierten Jazzfestival – nichtsdestotrotz kommen die vielen Besucher vor allen Dingen um die Cité zu besuchen, die im Mittelalter befestigte Altstadt. Der Geist der Geschichte weht hier schon seit dem 6. Jahrhundert vor Christus, als erstmals Menschen den Gebirgsvorsprung besiedelten auf dem heute die Altstadt zu finden ist. Die Blütezeit der Stadt begann allerdings erst wesentlich später, lange noch nach der Befestigung Carcassonnes, damals Carcaso genannt, durch die Römer im Jahr 122 vor Christus. Die charakteristischen Bauwerke der Altstadt entstanden vorwiegend im 12. und 13. Jahrhundert durch die für Carcassone prägenden Dynastie der Trencavel, einer bedeutenden Adelsfamilie des mittelalterlichen Languedoc.

Ein Brückenschlag zwischen älterer und jüngerer Geschichte

Gegenüber der Altstadt von Carcassone, am linken Flussufer der Aude, liegt das Viertel Bastide Saint-Louis, die Unterstadt. Sie zeichnet sich durch einen rechtwinkligen Grundriss der für Stadtanlagen von Art der Bastides kennzeichnend ist: Die Gassen ordnen sich in einem Schachbrettmuster um einen zentralen Platz, die Place Carnot, und werden begrenzt von breiten Boulevards. An Sehenswürdigkeiten bietet die Bastide Saint-Louis mittelalterliche Sakralbauten ebenso wie Bürgerhäuser aus dem 18. Jahrhundert. Die Pont Vieux, eine steinerne Brücke, erbaut im 14. Jahrhundert, verbindet den Stadtteil mit der auf dem Gebirgsplateau am rechten Ufer der Aude gelegenen Altstadt.

Carcassone ist eine faszinierende Stadt voll von zu Stein gewordener Geschichte. Nicht ohne Grund wurde dem Ort gleich zweimal das Siegel des UNESCO-Weltkulturerbes verliehen: Sowohl die Altstadt als auch der im 17. Jahrhundert gebaute Canal du Midi mit seinen beeindruckenden Schleusenanlagen wurden in den 90er Jahren in die begehrte Liste aufgenommen.

Zum Glück ist Carcassone heute trotz aller geschichtlicher Größe so lebendig wie eh und je: Musikfreunde finden moderne Jazzklänge während der alljährlich im April stattfinden “Semaine du Jazz”, Feinschmecker ihr Glück gewiss in einem der vielen Restaurants oder Cafés. Carcassone bietet eben auch heute jedem seiner Besucher etwas.